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Leitung bedeutet Dialog. Ständig.

Rainer Orban und Inga Kröger über Verantwortung, Beziehung und Weiterentwicklung des n.i.l.

Inga: Wir reden oft über Leitung, ohne das Wort in den Mund zu nehmen. Das Hinschauen, was intern gerade Phase ist, nimmt viel Raum ein. Mit Recht.

Rainer: Ja, das stimmt. Wir befinden uns in einem permanenten Prozess. Wenn ich unsere Zusammenarbeit in einem Begriff fassen müsste, wäre es „dialogische Partnerschaft auf Augenhöhe“.

Inga: Augenhöhe ist ein gutes Stichwort. Sie funktioniert, da wir die Arbeitsfelder des anderen anerkennen. Wir stellen die jeweilige Expertise nicht infrage. Was nicht bedeutet, blind zu folgen.

Rainer: Blinde Gefolgschaft ist weder dein noch mein Ding. Nicht vorstellbar. Wir beide bespielen unterschiedliche Räume und besitzen einen Dauerpass für den Zutritt zum Raum des anderen. Wir denken beim anderen mit, auch wenn er oder sie den Faden hält. Es ist derselbe rote Faden – Verantwortung, die wir in der Leitung und Führung des Instituts teilen.

Inga: Unsere Verantwortung nehme ich als groß wahr – deine, Rainer, als die größere.
Du bist der Gründer, trägst die Geschichte und die Richtung des Instituts.
Weder für dich noch für mich ist das n.i.l. ein Ort, den man einfach verwaltet.
Im Kern geht es darum, dass wir uns mit Themen auseinandersetzen, die gesellschaftliche Relevanz haben – immer wieder neu.
Daraus entsteht Weiterentwicklung.

Rainer: Ja, und genau darin liegt unsere Aufgabe: die Bewegung zuzulassen, ohne den Kern zu verlieren. Deshalb rede ich auch von Führung. Führung weist über den einzelnen Moment hinaus. Führung gestaltet.
Wir entwickeln das Institut nicht, weil Entwicklung modern klingt. Stillstand existiert nicht in lebenden Systemen. Verantwortung heißt daher für mich, dafür zu sorgen, dass Bewegung möglich bleibt – in der Sache und in uns selbst.

Inga: Wir – und das Team der Referent:innen – stehen tagtäglich mit Menschen in Kontakt.
Mit Seminarteilnehmenden, die direkt aus der Jugendhilfe kommen zum Beispiel.
Sie bringen ihre Erfahrungen aus der Praxis mit ins Institut – und teilen sie mit uns.

Unsere Aufgabe ist es, zuzuhören und daraus Konzepte zu entwickeln, die ihren Weg in die Welt finden: in Form von Publikationen oder neuen Weiterbildungen, die sich an der Lebensrealität der Menschen orientieren.

Leitung und Führung bekommen dadurch eine andere Farbe – im Sinne von: Wir leiten Ideen in die Wege.

Rainer: Eben. Wir müssen und können nicht alles steuern – gerade deshalb tragen wir die Verantwortung, aufmerksam zu bleiben.
Das ist systemisches Denken als angewandte Erkenntnistheorie: Wahrnehmen, was sich verändert, und darauf Antworten zu geben, die über den Tag hinaus reichen, oder, wie Otto Scharmer es wohl sagen würde: von der Zukunft her kommen

Panta rhei – du steigst an keinem Tag in denselben Fluss. 
Wenn wir als Institut für Systemische Fort- und Weiterbildung auf die anhaltende Bewegung des Lebens nicht reagieren, verlieren wir nicht nur den Anschluss, sondern unseren Sinn.
Unsere Aufgabe ist, Bewegung zu verstehen – in Menschen, in Organisationen, in Gesellschaft – und daraus Orientierung und Zukunft zu gestalten.

Ein Dialog über Leitung – zwischen einem systemischen Psychologen und einer Publizistin.
Kein Protokoll, kein Podium. Geführt über Signal.

Rainer Orban

Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners - H. v. Foerster

 
Diplom Psychologe, Systemischer Therapeut (SG, DGSF), Systemischer Supervisor und Coach (SG),
Lehrender für Systemische Therapie und Beratung (DGSF)

 

Gründer und Inhaber von n.i.l. 

Daneben bin ich pädagogischer Vorstand der Heilpädagogischen Kinder- und Jugendhilfe Rotenburg e.V. (www.jugendhilfe-row.de). Das wunderbare Team dort macht es mir möglich, beides zu tun, dort Kinder - und Jugendhilfe ganzheitlich zu gestalten und zugleich weiterhin Kolleginnen und Kollegen in und durch Fort- und Weiterbildungen zu begleiten.

Neben den administrativen Tätigkeiten, bin ich hier im Institut als Fort- und Weiterbildner sowie als Supervisor und Coach tätig. Daneben arbeite ich in eigener psychotherapeutischer Praxis.

"Es gibt keine Wahrheit - nur Verantwortung." Diese kurze, prägnante Aussage von Heinz von Foerster prägt seit vielen Jahren mein Denken und Handeln in den verschiedensten Arbeitsfeldern. Für mich ist sie der innere Kompass, wenn ich Menschen auf ihrem Weg begleite, - wenn ich sie einlade und ermutige, verantwortlich zu handeln, reflektierte Haltung einzunehmen. Dieses Wissen um die Subjektivität von Wahrheit, ist die innere Klammer, die mir diese Vielfalt erlaubt und erst ermöglicht.

Meine Wurzeln liegen im Bereich der Jugendhilfe, dabei Systemische Therapie und Beratung von Kindern, Jugendlichen und Familien im Kontext ambulanter, teilstationärer und stationärer Hilfen.

Besondere Aufmerksamkeit lege ich sehr vielen Jahren auf die Förderung des systemischen Denkens und Handelns im Bereich Früher Hilfen, Frühförderung, Kindergarten und Schule.

Fragen zu Kultur in Unternehmen, die Arbeit mit Führungskräften, gerade solchen in der Sandwichposition, beschäftigen mich in der Arbeit als Vorstand eines Sozialen Unternehmens, Coach und in der Beratung von Unternehmen und Unternehmern.

Hier, wie auch in allen anderen Feldern sind die Verbindung von Beruf und Familienleben sowie das eigenverantwortliche, proaktive Einstehen für die eigene Gesundheit zentrale Elemente meiner Arbeit.

Von 2009 bis 2016 war ich Sprecher der Fachgruppe Systemische Kinder und Jugendhilfe innerhalb der DGSF. Dort waren mir wichtige Anliegen die Vernetzung untereinander, das Wissen voneinander und die Arbeit an neuen Entwicklungen und Fragen der Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft.

Innerhalb der DGSF eengagierte ich mich zudem von 2013 - 2021 als eines von drei Mitgliedern des Instituterates.


Zu mir persönlich: ich wurde 1967 in Aachen geboren, bin dort auch aufgewachsen, bevor ich über das Studium der Psychologie in Osnabrück landete. Von Anfang 2000 bis Juni 2020 lebte ich in Sulingen. Nun leben wir als Familie wieder im Raum Osnabrück und genießen es sehr hier Arbeit und privates Leben zu verbinden.

Ich bin Vater von zwei Kindern und lebe mit meiner Frau Gabi Wiegel eine Patchworkfamilie, - eine, wie sie im Buche steht.